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Plenarvorträge

Zwischen Politik und Praxis: DaF/DaZ in Bewegung

Dr. Naomi Shafer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Mehrsprachigkeit, Fribourg

Freitag, 10.20 - 11.15 Uhr

​Bekanntlich ist nichts konstanter als die Veränderung. Das gilt auch für die Theorie und Praxis von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Mitte des 20. Jahrhunderts als «Kind der Praxis» entstanden (Weinrich 1979), ist das Fach DaF/DaZ beständig in Bewegung, um sich konstant an gesellschaftliche, politische, linguistische, pädagogische oder technologische Entwicklungen anzupassen – von ABCD bis DACH oder vom Kalten Krieg bis zur Künstlichen Intelligenz. Wie hat sich DaF/DaZ im Laufe der Jahrzehnte gewandelt, was hat sich nicht verändert und wo stehen wir aktuell? Der Vortrag beleuchtet diese Fragen am Beispiel konkreter Materialien und mit Fokus auf die Schweiz im internationalen DaF/DaZ-Kontext.

Dialogue und Lernen

Prof. Dr. Sara Hägi-Mead, Professorin für Deutsch als Fremdsprache und Mehrsprachigkeitsdidaktik an der RPTU Kaiserslautern–Landau

​Freitag, 14.30 - 15.25 Uhr​

Der Vortrag gibt einen Einblick zu Stellenwert, Vielfalt und Potential von Dialogen im Kontext DaF/DaZ (vgl. Hollenstein o. J.). Exemplarisch vorgestellt werden innere Dialoge bei Lehrenden und Lernenden, Dialoge in Unterrichtsmaterialien und Dialoge im Unterrichtssetting. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das dialogische Lernen nach Urs Ruf und Peter Gallin (Ruf/Gallin 2018, 2019, Pabst 2016). Diese Methode konfligiert grundsätzlich mit Unterricht, der sich streng an ein Lehrwerk hält. Lehrwerke wiederum spielen im Kontext DaF/DaZ eine prägende Rolle. Gleichzeitig erscheint eine Auseinandersetzung mit dem dialogischen Lernen aktuell auch für den Kontext DaF/DaZ gewinnbringend. Diskutiert werden entsprechend Fragen der Übertragbarkeit.

Diagnostik der erstsprachlichen Schrifterfahrung als Ressource für den Schriftspracherwerb im Deutschen als Zweitsprache

Prof. Christine Czinglar, Professorin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Samstag, 09.45 - 10.40 Uhr​

Für die Alphabetisierung von neu zugewanderten Jugendlichen und Erwachsenen stellt die Schrifterfahrung in der bzw. den Erstsprachen (L1) eine wichtige Ressource dar. Eine Diagnose literaler Kompetenzen sollte daher neben der Zweitsprache (L2) Deutsch auch die L1 Literacy berücksichtigen. Forschungsbasierte Diagnoseinstrumente, die die Grundlage für pädagogische Interventionen darstellen, fehlen für diese Lernergruppen weitgehend. Erste Ideen für eine Diagnostik basaler literaler Kompetenzen wurden im Projekt DaZ-UMF für die L2 Deutsch und L1 Dari entwickelt (Schuhmacher et al. 2020). Diese wurden im Projekt ELIKASA u. a. für L1 Arabisch adaptiert und erheblich ausgebaut (Czinglar et al. 2022, 2024). Im Vortrag stelle ich ausgewählte Ergebnisse aus beiden Projekten vor und zeige auf, wie Lehrkräfte einzelne Aspekte dieser Diagnostik für eine grobe Einschätzung der literalen Kompetenzen ihrer Lernenden einsetzen könnten.

Translanguaging: Orkan oder laues Lüftchen für die Mehrsprachigkeitsorientierung im DaF- und DaZ-Unterricht?

Prof. Dr. Thomas Studer, Ordentlicher Professor für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Universität Fribourg - Mitglied der Direktion des Freiburger Instituts für Mehrsprachigkeit und des nationalen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit

Samstag, 15.45 - 16.40 Uhr

Translanguaging verspricht, (Sprach-)Bildung gerechter zu machen, indem die Lernenden dazu ermutigt werden, ihr gesamtes sprachliches Repertoire zu nutzen (García et al. 2021 u. v. a. m. und z. B. Rantanen 2024). Bildung gerechter machen? In meinem Beitrag möchte ich diesem sehr weitgehenden Anspruch nachgehen und dazu die Annahmen, Konzepte und Effekte des Translanguaging etwas ausloten. Offene Fragen rund um das Translanguaging gibt es viele, darunter das Verständnis von individueller Mehrsprachigkeit im Vergleich zum Plurilingualitätskonzept, wie man es aus dem Europäischen Referenzrahmen kennt (z. B. Marshall 2021), das Verhältnis von pädagogischem Translanguaging und Translanguaging-Pädagogik (Li 2024) oder die Beziehungen zwischen pädagogischem Translanguaging und Ansätzen der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Mit der Diskussion solcher Fragen verbinde ich das Ziel, zu einer realistischen Einschätzung des Potenzials des Translanguaging für den DaF- und DaZ-Unterricht beizutragen.

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